Wie fühlt es sich an, nach einer siebenmonatigen Flucht über 10.000 Kilometer endlich in Deutschland anzukommen? Und wie lebt man mit Erinnerungen an eine Reise, die von Hoffnung, Angst und zahlreichen Herausforderungen geprägt war?
Mit diesen Fragen setzte sich Abdullah Mohmand bei einer Lesung an der Walter-Gropius-Schule auseinander. Der ehemalige Schüler unserer Schule berichtete den Zuhörer*innen aus seinem Buch, in dem er die Geschichte seiner Flucht von Afghanistan nach Deutschland festgehalten hat.
Besonders eindrucksvoll war dabei die Offenheit, mit der Abdullah über seine Erfahrungen sprach. Er schilderte die Schwierigkeiten und Gefahren seiner Flucht, die zahlreichen gescheiterten Versuche, Grenzen zu überqueren, und die Unsicherheit, die ihn über viele Monate begleitete. Bewegend war die Lesung zweier Auszüge aus seinem Buch: Einer beschrieb einen der schlimmsten Momente seiner Flucht, als er und andere Geflüchtete von bulgarischen Polizisten misshandelt und gezwungen wurden, einen tiefen Fluss zu durchqueren. Der zweite Auszug handelte von dem Moment, als er schließlich Deutschland erreichte.
In der anschließenden Gesprächsrunde beantwortete Abdullah zahlreiche Fragen der Schüler*innen. Er erzählte von seiner Schulzeit in Afghanistan, wo der Schulweg mehrere Kilometer lang war und aufgrund der Sicherheitslage oft eine Herausforderung darstellte. Außerdem berichtete er von den ersten Monaten in Deutschland: Nach der anfänglichen Euphorie folgte eine schwierige Zeit, geprägt von Schule, Behördengängen und dem Aufbau eines neuen Lebens.
Warum Deutschland? Auch diese Frage beantwortete Abdullah. Bereits in Afghanistan hatte er deutsche Soldaten kennengelernt, die die Menschen vor Ort unterstützten. Diese Begegnungen prägten sein Bild von Deutschland nachhaltig.
Ein weiterer wichtiger Teil seines Vortrags war das Schreiben selbst. Das Buch entstand auch aus dem Wunsch heraus, das Heimweh und die vielen Erlebnisse zu verarbeiten. Noch heute hält Abdullah Kontakt zu Menschen, die er auf seiner Flucht kennengelernt hat und die inzwischen in verschiedenen europäischen Ländern leben.
Zum Abschluss berichtete Abdullah von einem besonderen Vorhaben: In diesem Sommer möchte er in die Türkei reisen und Orte wiedersehen, die er während seiner Flucht durchquert hat. Anders als damals wird er diese Reise mit einem Pass antreten – legal und ohne Angst. Für die Zuhörer*innen wurde dadurch besonders deutlich, wie sehr sich sein Leben seit seiner Ankunft in Deutschland verändert hat.
Wir bedanken uns herzlich bei Abdullah Momand für seinen Besuch, seine Offenheit und die Bereitschaft, seine Geschichte mit unseren Schüler*innen zu teilen.


