Morgens steigt man aus dem Auto und fragt sich: Was verbirgt sich hinter der Telefonzelle, platziert auf einem drei Meter hohem Baumstumpf?
Wir starten im Atelier, wo es nach einer Erdig süßen Note duftete, die Regale waren bestückt mit Gläsern voll mit Pigmenten, Blau, Grün, Brauntöne in rauen Mengen.
Nach einer historischen Einführung in die Entstehungsgeschichte und einem Schwenk über Quark und Kalk, die einen erstaunlich Starken Kleber ergibt, zogen wir weiter.
In der Halle mit den Beispielen bestaunten wir die vielen bunten, glatten, Rauen und strukturierten Ausstellungsstücke manche mit Glasverzierungen. Blättern wie in einem Buch für Kalkputz.
Pigmente in kleinen Gläschen, aufgereiht im Regal, Öle, Wachse, Harze in verschiedenen Varianten, Farben und alle mit eigen Eigenschaften.
Wer bei diesen Produkten denkt, Kreidezeit hätte was mit der Ur-Zeit und Dinos zu tun der liegt bei dem Erdöl aus der Zeit falsch. Aber nicht, bei den natürlichen Materialien die sich damals über Vulkane und Ablagerungen sammelten und heute genutzt werden um für die Pigmente in den Farben. Alle Produkte verzichten auf schädliche Chemikalien, dünsten dadurch nicht aus und behalten wegen ihrer Naturpigmente deutlich länger ihre Farb- und Strahlkraft.
Nach der Ausstellung wurden wir noch durch die Produktion geführt, große Mischer, die Pigment und Öl mischten mithilfe von Porzellankugeln in einem Stahlkäfig. Das schleifen der Kugeln vermahlt die Pigmente feiner und durchmixt gleichzeitig das Gemisch. Es entstehen superfeine Produkte. Von dort ging es in die Abfüllung, Öl in Metallgehälter, Putz in Papiersäcke, zu nähen und dann in die Lagerung. Von Europa bis nach Japan, Kreidezeit ist gefragt. Besonders nach einem Blick ins Labor, wo Farben der Kunden analysiert und reproduziert werden versteht man warum. Für den nachhaltigen und umweltbewussten Kunden.
Schließlich ließ man uns probieren, wie wirken die Öle, Wachse und farbigen Abstufung auf Holz. Der Duft von Leinöl und Wachs füllte das Atelier und es zeigte sich das einzige Problem der Naturprodukte, die Trocknungszeit etwa 24 Stunden benötigen die Öle zum Überarbeiten. Doch wenn man die Zeit einplant, hat man großartige Oberflächen und ein Beitrag zum Umweltschutz und zur Nachhaltigkeit getan.
Ein Besuch, der Perspektive verändert. Muss Oberflächenbehandlung immer chemisch sein? Ist der Weg zurück zu biologischen, nachwachsenden Mitteln nicht langfristig sinnvoll und die Wartezeit die entsteht, ja sie dauert, doch sie ist berechenbar, planbar.
Am Ende seid Ihr es, die Konsumieren und den Unterschied unterstützen könnt.
Viele Grüße aus eurer Fachrichtung Holz.
Geschrieben von Matthias Potthast







